Teckelklub Fulda - Wissenswertes

Der Tod eines (Jagd-)Hundes

Wann und wie darf man einen Hund töten (lassen)? Muss man als Hundehalter ein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich für ein vorzeitiges Ende seines Kumpanen entscheidet? Wo und wie kann man den Hund beerdigen? Und was ist mit einem neuen Hund? Dies und mehr beantwortet ein Tierarzt.

Es kann der Tag kommen, an dem man selbst die Entscheidung treffen muss, einen seiner allerbesten Freunde in den Tod zu schicken. Während die Sterbehilfe beim Menschen ein heiß umstrittenes Thema ist, stellt sich beim Hund nur die Frage des Wann und hoffentlich nicht mehr das Wie. Denn wer möchte noch nach alter Jäger Sitte seinen treuen, jetzt aber alten und gebrechlichen Jagdgefährten vorgaukeln, nochmals zu jagen, um ihn dann mit der Kugel aus der eigenen Büchse zu erlösen? Es ist hierbei nicht nur zu beachten, dass wassergefüllte Augen und zittrige Hände zu einem schlechten Schuss und damit zu noch mehr Qualen beim Hund – und Rüdemann – führen können, sondern auch, dass rechtliche Bestimmungen dies nicht zulassen.

Tierschutz

Denn Paragraph 4 des Tierschutzgesetzes sagt aus: „Ein Wirbeltier darf nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden. …Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.” Laut Tierschutzgesetz ist das Einschläfern von Tieren ohne zwingende Notwendigkeit nicht gestattet. Eine zwingende Notwendigkeit ist nur gegeben, wenn das Tier nicht ohne schwerwiegende Beeinträchtigung seiner artspezifischen Verhaltensweisen weiter existieren kann. Häufigster Grund für eine Euthanasie ist folglich eine nicht behebbare gesundheitliche Störung des Tieres. Ein Einschläfern aus Gründen mangelnder Fürsorgebereitschaft ist nicht gestattet und strafbar.

Tod als Erlösung

Auch wenn es schwerfällt, weiß jeder, dass einmal der letzte Tag kommen wird. Trotzdem ist das Thema Tod oft tabu. Gerade dort, wo die Mensch-Hund-Beziehung besonders innig ist, wird der Gedanke an den letzten Tag verdrängt. Am schwersten wird es für den Hundehalter, wenn er aufgrund einer Erkrankung oder Altersschwäche des Hundes die Entscheidung über den Todeszeitpunkt selber treffen muss. Dies verursacht Gewissenskonflikte und schlaflose Nächte. Für einen Hund, dem jeder Schritt schwerfällt, der kaum noch aus eigener Kraft aufstehen kann und Probleme hat, sein Geschäft selbst zu verrichten, kann der Tod eine Erlösung sein. Dies ist so, weil ihm weitere Qualen erspart bleiben. Beruhigend zu wissen ist, dass man alles getan hat und nun der Zeitpunkt des unausweichlichen Entschlusses durch einen Fachmann, Ihren Tierarzt, bestätigt wurde. Der Rat des Tierarztes und das intuitive Gefühl, welches ein Hundehalter im Laufe der Jahre für seinen vierläufigen Freund entwickelt hat, sind die einzigen Kriterien für diese schwierige Entscheidung. Keine Lösung ist es, den allmählichen Verfall des geliebten Hundes einfach zu ignorieren. Denn ein Hund kann nicht mitteilen, was ihm fehlt, ob er leidet und wo er Schmerzen hat oder ob er einfach aufgrund seines Alters ruhiger und weniger hungrig ist. Auch wenn es schwer fällt, die Sache kopfmäßig anzugehen, dazu sollte man sich zwingen.

Schlechtes Gewissen

Viele Hundehalter machen sich Vorwürfe, diese Lösung zu früh gewählt oder überhaupt die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Dieses „schlechte Gewissen”, das Ende des geliebten Vierläufers veranlasst zu haben, ist normal. Dies bedeutet aber nicht, dass man sich etwas vorzuwerfen hat, sondern ist Bestandteil der Trauer. Der beste Trost ist sicherlich die Erinnerung an ein erfülltes und schönes Zusammensein und das Bewusstsein, dem Vierläufer ein möglichst artgerechtes und glückliches Hundeleben ermöglicht zu haben. Hundehalter, die glauben, den Schmerz nur schwer ertragen zu können – und dessen muss man sich überhaupt nicht schämen –, sollten darauf verzichten, dabei zu sein, wenn der treue Jagdgefährte eingeschläfert wird. Ansonsten ist es für Hund und Halter sinnvoll, die letzten Momente gemeinsam zu verbringen. Der Hund ist ruhiger, wenn eine ihm bekannte Person anwesend ist. Einige Tierärzte bieten an oder werden dem Wunsch gerne nachkommen, den Hund zu Hause, in seiner gewohnten Umgebung einzuschläfern. Ich persönlich halte dies für die beste Möglichkeit. Auch Kinder können beim letzten Moment dabei sein, wenn sie es möchten. Es hat sich erwiesen, dass Kinder dann mit dem Verlust besser umgehen können, da gerade bei Kindern ein besonders starkes Verlustgefühl ausgelöst wird. Wer sich Sorgen macht, dass sein Hund beim Tierarzt noch leidet, kann ganz beruhigt sein: Der Hund wird in eine beruhigende, tiefe Narkose versetzt, die ohne spürbaren Übergang zu einem sanften Tod führt – er schläft ein. Diese Handlung wird von einem Tierarzt vorgenommen und erfolgt normalerweise durch die Injektion einer tödlichen Dosis eines Narkotikums, wie es in speziell dafür zugelassenen Tötungsmitteln enthalten ist.

Die Beerdigung

Nach dem Tod gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, mit dem Körper des Hundes umzugehen. Ihr Tierarzt kann sich den sterblichen Überresten annehmen, oder aber der Hundehalter übernimmt selbst die Verantwortung. Entgegen der viel verbreiteten Meinung kann ein Hund sehr wohl im eigenen Garten begraben werden. Dazu müssen einige Bestimmungen eingehalten werden, dessen genauen Inhalt die zuständige Veterinärbehörde mitzuteilen weiß. Einige Auflagen sind zum Beispiel folgende:

  1. Die Wasserschutzbestimmungen müssen beachtet werden.
  2. Das Grab muss, je nach Bundesland, 50 bis 80 Zentimeter tief sein.
  3. Es darf nicht in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Parks, Anlagen oder Wegen liegen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Bestattung auf einem der Tierfriedhöfe Deutschlands. Auf einem Tiefriedhof sind jegliche Varianten an Größe, Nutzungsdauer und Schmuck des Grabes möglich. Zu beachten ist, dass christliche Symbole auf Tierfriedhöfen meistens nicht gestattet sind. Für diese Möglichkeit sollte man sich rechtzeitig entscheiden, denn auch die Bestattung eines Hundes ist, vor allem auf einem Tierfriedhof, mit gewissem Verwaltungsaufwand verbunden.

Und dann ein Neuer?

Neben der eigentlichen Trauer um ein geliebtes Wesen spürt der Hundehalter die schmerzliche Lücke auch in seinen Lebensgewohnheiten, die ja bis zu einem gewissen Maß auf die artgerechte Haltung des Tieres, etwa regelmäßiges Spazierengehen, ausgerichtet waren. Viele entscheiden sich für einen neuen Hund, der tatsächlich die Trauer erheblich mindern kann. Es ist sinnvoll, bereits zu Lebzeiten des älteren Hundes über die Anschaffung eines weiteren Hundes nachzudenken. Oft ist ein junger Hund eine zusätzliche Motivation zur Lebensfreude für den Älteren, und nicht selten fällt der Abschied vom alten Hund etwas leichter, wenn man sich schon an den jungen Hausbewohner gewöhnt hat. Allerdings wird man hier bedenken, dass es kein allzu ungestümer Junghund sein sollte, damit würde man dem Senior eher auf die Nerven gehen. Grundsätzlich gilt: Ein Tier ist mehr als ein kurzfristiger Lückenbüßer für verletzte Gefühle. Auch der junge Hund benötigt die Aufmerksamkeit des Besitzers und darf nicht nur als Trauerüberbrückung gesehen werden. Denn die Würde und Liebe, mit der Sie Ihrem Vierläufer bei seinem Abschied begleiten, verdient der Neue erst recht!

Dr. Alexander Gey

Die Veröffentlichung des Artikels auf unserer Homepage erfolgt mit freundlicher Genehmigung des JÄGER (Ausgabe 2/2009) - Zeitschrift für das Jagdrevier