Teckelklub Fulda - Wissenswertes

Auch dem Nichtjäger geht so manches "durch die Lappen"

Viele Redewendungen haben ihren Ursprung in der Jagd. Jägersprache ist eine der ältesten Fach­sprachen überhaupt.

Während der Mensch nun ganz einfach Frühlingsgefühle bekommt, kennen Jäger für die tie­rische Liebe zahlreiche Namen. Da rammelt der Hase im Spätwinter, rauscht die Wildschein-Ba­che im Januar, balzt das Federwild im Frühjahr und ranzt der Fuchs im Januar, was das Zeug hält. Viele Redewendungen, die heute den deutschen Wortschatz mit bildhaften Metaphern bereichern, wurden aus dem jagdlichen Brauchtum übernom­men. "Eine Spurensuche", erklärt der Landesjagdverband Hessen (LJV), zeigt beispielhaft, wie der Hase durch die deutsche Sprache läuft. Man muss dabei nur auf der richtigen Fährte sein.

Wildtieren "auf die Schliche kommen" bedeu­tet für den Waidmann zum Beispiel, dass er die Schleichwege von Reh, Hirsch und Wildschwein – die so genannten Wildwechsel - ausfindig macht. Legt sich der Jäger hier auf die Lauer, ist die Jagd für ihn körperlich weit weniger anstrengend, als "auf den Busch zu klopfen": Nämlich mit Stöcken auf das Unterholz zu schlagen, um das Wild aus seinem Versteck aufzuscheuchen. Jegliche Raffi­nesse beim Aufspüren ist jedoch zwecklos, wenn das Tier buchstäblich "Wind davon bekommt", also den Geruch des herannahenden Menschen wahrnimmt. In einem solchen Fall bleibt dem Jä­ger nur zu hoffen, dass ihm sein Objekt der Be­gierde nicht "durch die Lappen geht". Die Rede­wendung bezieht sich auf eine im 17. Jahrhundert beim Adel verbreitete Jagdart, bei der Schnüre mit bunten Tüchern gespannt wurden, um Wildtiere in eine bestimmte Richtung zu treiben.

Auf der Flucht sind ältere Tiere gegenüber ihren jüngeren, unerfahrenen Artgenossen klar im Vorteil. Denn ein "alter Hase" weiß ganz genau, wie er am besten entkommt - er weiß also, "wie der Hase läuft". Dann ist es für den Jäger fast unmöglich, ein Tier "aufs Korn zu nehmen" - was so viel bedeutet wie: Auf das Wild mit einem Ge­wehr zu zielen.

Die Anfänge der deutschen Jägersprache rei­chen bis ins 7. Jahrhunden zurück. Viele Begriffe stammen aus dem mittelhochdeutschen Sprach­schatz. Damit ist sie nach Angaben des LJV Hes­sen eine der ältesten Fachsprachen überhaupt. Derartige Fachsprachen dienen der exakten Ver­ständigung in einem Handwerk oder Beruf - etwa bei Zimmerleuten oder Seeleuten. Allerdings ge­hörten etliche der Jäger auch zum allgemeinen Sprachschatz. Der Begriff "Schweiß" etwa, den die Nimrode heute noch für Wildblut verwenden, kennzeichnete im Mittelhochdeutschen einfach jede aus dem Körper austretende Flüssigkeit - also sowohl Körperschweiß als auch Blut.

Insgesamt bereichern rund 3000 Fachbegriffe der Jäger - davon so bekannte wie "pirschen" oder "balzen" - den deutschen Wortschatz. Natürlich gibt es auch in der Jägersprache unterschiedliche regionale Schwerpunkte - etwa an der See oder im Hochgebirge, wo ganz verschiedene Wild- und Jagdarten vorkommen.

Die Jägersprache wird noch heute aktiv von Waidmännern benutzt, um mit wenigen Worten präzise Angaben zu machen. Etwa: Der noch rote Hirsch zog orgelnd auf dem Wechsel in den Ein­stand. Die etwas umständliche Übersetzung: Der Hirsch, noch in seinem roten Sommerfell, mar­kierte laut röhrend sein Revier und ging dabei langsam einen Pfad entlang, den diese Tierart schon seit Generationen nutzt, in den Waldteil, den er tagsüber bevorzugt aufsucht.

djv/roe

Quelle: Hessenjäger, Heft Februar 2010. Die Veröffentlichung des Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch den Landesjagdverbandes Hessen.